Ein Kind weiß sehr früh, dass ein Tier von ihm abhängig ist, eine neue Erfahrung gegenüber seiner eigenen Rolle als Kind unter Geschwistern, Freunden, Eltern und anderen Erwachsenen. Sie entwickeln Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl, denn Tiere erfordern Regelmäßigkeit. Das tierpflegende Kind erhält das Gefühl, wichtig zu sein und wirklich gebraucht zu werden.
Ein Haustier lehrt das Kind aber auch den Umgang mit Begrenzungen. Zorniges, unangebrachtes Schimpfen und das Ziehen an Halsband oder Fell des Tieres schüchtern das Tier ein und ängstigen es. Es wird sich entweder weigern, das Geforderte mit Freude zu lernen oder neigt in Folge der falschen Behandlung sogar zu aggressivem Verhalten.
Kinder, die die Bedürfnisse ihrer tierischen Begleiter wahrnehmen und respektieren, sind oft umgänglicher und neigen seltener zu depressivem oder aggressivem Verhalten als Gleichaltrige ohne Tiere. Sie können in der Regel besser auf ihre Mitmenschen eingehen und sind selbstbewusster und toleranter.
Die Kontaktaufnahme zu Tieren findet besonders bei kleinen Kindern über Berührungen und das Füttern statt und weniger über Sprache. Für das menschliche Sozialverhalten spielt die Kommunikation im nonverbalen Bereich eine bedeutende Rolle. Sie wird jedoch meistens zu wenig berücksichtigt, da sie unbewusst abläuft. Kinder, die engen Kontakt zu Tieren haben, haben generell eine höhere Bereitschaft, Kontakte zu Altersgenossen zu knüpfen.
Bei dieser Entwicklung werden die Kinder auch durch die privaten Hunde einzelner Kolleginnen unterstützt. Die Hunde sind mit in den verschiedenen Räumen und spiegeln den Kindern unbewusst, wie sie sich verhalten. Die Wirkung der anwesenden Tiere auf die Kinder ist enorm. Selbstverständlich sind die Tiere entsprechend dem Tierschutz in der Kita versorgt und untergebracht. Notwendige Ruhephasen und Versorgung werden selbstverständlich berücksichtigt.
Durch die Anwesenheit eines Tieres, dessen Lebenserwartung in der Regel kürzer ist als die des Menschen, wird das Kind für den Umgang mit Schmerz, Leid und dem Tod sensibilisiert. Das Kind erfährt die Endlichkeit des Lebens. Es leidet mit seinem Tierfreund, wenn dieser krank oder verletzt ist. Wenn das Tier stirbt, lernt das Kind, von einem Lebewesen Abschied zu nehmen und von ihm los zu lassen.